Die Welt von oben

Seit mehreren Jahren fliege ich über Nacht nach Namibia. Die Unterhaltungsfilme sind eher langweilig, ich bin auf Halbschlaf gepolt, was gibt es da beruhigenderes als das Bild auf dem Monitor, mit dem man im tiefen Dunkel unter sich, auf einer Karte, erkennen kann, was zu sehen wäre, wenn man sehen könnte.

Vor einigen Jahren wurde ich plötzlich wieder wach, als ich das Bild auf dem Monitor sah, dass ich hier abfotografiert habe: Mitten im trockenen sandigen Nichts war eine grüne Briefmarke zu sehen. Ganz unwirklich. Mitten in Angola. Ein Wald - ein Restwald. Genau so muss die ganze Gegend früher ausgesehen haben. Dieses kleine Rechteck wurde verschont. Ich habe nach dem Flug versucht zu recherchieren, was das ist ... ein kleiner Nationalpark, der Ussombo Forest, ungefähr so groß wie der Sachsenwald bei Hamburg. Ein letztes geschütztes Areal in einer völlig verkarsteten Gegend. Die Gegend bei Huambo war nie Regenwald, sondern gemäßigte Zone, da wo die Bäume langsam wachsen und entsprechend viel "Edelhölzer" dabei sind. Jetzt habe ich noch einmal auf google earth geschaut und auf dem neuesten Kartenmaterial von 2018 sieht man, dass auch dieser Wald schon zur Hälfte vernichtet ist.

Warum ich das Schreibe? Weil es gänzlich aus dem Beweußtsein geraten zu sein scheint, dass der Verlust der riesigen äquatorialen Waldgebiete zu dem geführt hat, was wir heute Klimawandel nennen. Und das das Abholzen unvermindert weitergeht, sogar in Naturparks. Aber das scheint alles soweit jenseits der Sphäre zu sein, in der Eingreifen möglich ist, das man es besser gar nicht erst erwähnt. Aber ich muss das jetzt mal erwähnen. Vielleicht kann ich dann ruhiger schlafen.