Fotografie und Leben

Als Grafikerin, Fotografin und Künstlerin ist man ja ein Teil der Öffentlichkeit. Zwar der Mikroöffentlichkeit, wenn der Wirkraum noch übersichtlich ist, dennoch trägt man mit jedem Bild das man zeigt, etwas von sich in die Öffentlichkeit. Das tut man immerdar, ob in Ausstellungen, in Büchern, auf Facebook oder Instagram. Und wer Bilder lesen kann, erfährt etwas über den Urheber - über sein Verhältnis zur Welt und zum Leben.

 

Als Bildproduzent darf man sich darüber eigentlich keine Gedanken machen, denn in dem Moment wo man anfängt darüber nachzudenken, wer jetzt wohl was zu dem Bild sagen würde, hat man schon verloren. Und in Zeiten allgegenwärtiger Datenanalyse kann einem ganz schön schwindelig werden. Aber das rettet alles niocht davor, sich immer wieder kritisch mit seinen eigenen Arbeiten auseinanderzusetzen.

 

Es ist tatsächlich so: Je öfter ich eine eigene Arbeit anschaue, desto eher weiß ich ob sie "trägt". Das heißt ob ihre Wirkung von allgemeingültiger Art ist, oder ob sich ein selbstverliebter Funke, der im Moment des Fotografierens von mir Besitz ergriffen hat, hinter meiner Liebe zu einer bestimmten Aufnahme  steht. Und das zu erforschen und zu beurteilen ist ein langer Prozess, den man nicht zu einsam betreiben sollte, sonst ist das Resultat ein ebenso selbstverliebtes Kitschbild. Apropo Kitsch: Spannend ist es auf jeden Fall, die Grenze zum Kitsch zu erkunden. Ob und was Kitsch ist, erkennt man aber manchmal erst, wenn man eine geraume Zeit draufgeschaut hat. ...

Der Prozess der rezeptiven Wahrnehmung und  Aufarbeitung, der vor und nach dem Klick auf den Auslöser folgt, ist daher in den meisten Fällen um ein vielfaches aufwändiger, als die Aufnahme selber. Soviel dazu, dass das Fotografieren ja sehr einfach geworden sei.